Zur 100-Jahrfeier der Herrenhäuser Kirche wollen wir etwas besonderes bieten. Wir haben uns bei unseren Überlegungen dazu von folgender Frage leiten lassen: Was hat die Herrenhäuser Kirche in den vergangenen Zeit so alles erlebt? Da ist uns vieles eingefallen. Aber vor allem war die Herrenhäuser Kirche ein Ort, in der Gottes Wort, wie es in der Bibel vorkommt, seinen Platz hatte. Deshalb erzählen wir nun eine Geschichte aus der Bibel, aber als Oper mit sehr vielen Darstellern auf einer Bühne.

 

Natürlich könnte das in vieler Hinsicht die Niedersächsische Staatsoper hier in Hannover viel besser als wir. Dort gibt es eine richtige große Bühne mit aus gefeilter Beleuchtungstechnik und einen Orchestergraben. Dort gibt es die Spezialisten für jeden Arbeitsbereich. Die Oper verfügt über alles, was sie für ihre Vorstellungen braucht. Wir müssen dagegen uns erst alles beschaffen.

 

Aber wir in der Herrenhäuser Kirche haben für „BELSAZAR“ den passenderen Raum: die Kirche selbst. Den gibt es eben nicht im Niedersächsischen Staatstheater zu sehen. Die Herrenhäuser Kirche wird in ihrer Gesamtheit mit einbezogen. Zum Beispiel der Kronleuchter, die Kanzel, das Kruzifix, die Orgel, das große Fenster über dem Altar, die Bemalung der Wände. Das alles wird farbig angestrahlt und ausgeleuchtet und wird so Teil unserer Inszenierung. Das einhundert Jahre alte Gebäude bekommt eine Hauptrolle zugeteilt. Sie ist als in Stein gehauene biblische Geschichte Teil unseres „BELSAZAR“. Die Herrenhäuser Kirche wird als Folge eines genau geplanten Raumkonzeptes für die Aufführungen mit einer Bühne und Beleuchtungstechnik hergerichtet. Die Zuschauer dürfen ein Spektakel für Ohren und Augen erwarten. Wir können uns mit unserer Inszenierung u.a. auf Erfahrungen mit Bachs Matthäus-Passion aus dem Jahre 2000 in der Herrenhäuser Kirche stützen.

 

Der Textautor des „BELSAZAR“ ist Charles Jennens, der übrigens auch das Libretto zu Händels Messias geschrieben hat. Er greift auf die biblische Geschichte von Belsazar im Buch Daniel zurück, verändert den Stoff, entwickelt ihn weiter. Die Aufführungen in der Herrenhäuser Kirche wollen die Vielschichtigkeit des Stoffes zeigen und den biblischen Inhalt lebendig werden lassen. Deshalb finden die Vorstellungen des ursprünglich englischen Textes selbstverständlich in deutscher Sprache statt.

 

Das moderne Musiktheater, in dessen spezifischer Form sich die Gestik, die Sprache des Körpers und der Bilder zu Musik und Wort gesellen, bietet die Möglichkeit, die auch heute noch gültigen Aussagen der großen geistlichen Werke Händels in ihrer Komplexität dem modernen Menschen über Jahrhunderte hinweg nahe zu bringen.