Freitag, 18. Januar 2013
19 Uhr

Franz Schubert

Die Winterreise

Lied-Zyklus in 20 Liedern

Dietmar Sander, Bariton
Johannes Nies, Klavier

Einsamkeit, Schneewüste, gefrorene Tränen, eine rostige Wetterfahne, der Lindenbaum.

Schließlich der Leiermann als finales Todessymbol.

Seltsamerweise sind diese poetischen Chiffren der Romantik auch den Kindern von Internet, iPod und SMS vertraut. Mögen Liederabende gestern wie heute eher einen Kreis von Kennern anziehen, Franz Schuberts Winterreise dient nicht selten als Stimmungssurrogat. Ihre Wirkung ist die gleiche wie im 19. Jahrhundert: Musik hilft, sich selbst zu spiegeln. Ein Ich lebt sich hemmungslos aus, klagt, träumt, hofft, ist schließlich verzweifelt trostlos, fast siebzig Minuten lang.

Als der Schubert Franzl, professioneller, aber erfolglos armer Mittelpunkt einer Runde von geselligen Wiener Musikdilettanten, im Herbst 1827 seine Freunde einlud, um ihnen einen Zyklus "schauerliche Lieder" vorzusingen, reagierten die meisten mit Unverständnis. Zu düster, kaum aufgehellt, ein Stimmungskiller erster Güter. Schubert starb kurze Zeit später, sein Textdichter Wilhelm Müller war da - erst 23-jährig - schon längst tot. Schubert hatte von ihm bereits den Gedichtkreis Die schöne Müllerin in Musik gesetzt, dann die ersten 12, separat veröffentlichten Wanderlieder der "Winterreise". Im Zeitalter der Postkutsche hatte er erst später mitgekommen, dass Müller eine zweite Lieferung von noch zwölf Poemen hatte folgen lassen. Diese "Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten", kaum zusammenhängende poetische Inseln einer Verzweiflung, vertonte Schubert ebenfalls, integrierte sie in einen Zyklus, der Gipfelpunkt der Liedkunst werden sollte.

Die Winterreise trat ihren Siegeszug erst nach Schuberts Tod an. Selbst in der Ära der Tonträgerkrise ist ihre Attraktivität ungebrochen. Sänger wie Fischer-Dieskau, Schreier und Prégardien, um nur drei Künstler zu nennen, haben mit ihren ausgefeilten und auf silberne Scheiben gebannten Interpretationen Maßstäbe gesetzt.

Der Bariton Dietmar Sander aus Hannover und Johannes Nies, Klavier, nehmen die technischen und interpretatorischen Herausforderung dieses bedeutendsten Liederzyklus der Romantik in einer konzertanten Darbietung an. Eine winterliche Freude für alle Gesangsliebhaber!

Dietmar Sander ist unserem Publikum unter anderem bekannt durch die Hauptrollen des JEDERMANN in „Ein deutsches Requiem“ als biblische Oper und des CYRUS in „Belsazar“. Bei dem Oratorium PAULUS von Mendelssohn Bartholdy sang er im November 2010 die Titelrolle. Zuletzt begeisterte er das Publikum in der Herrenhäuser Kirche als Joseph/Herodes in der szenischen Aufführung des Weihnachtsoratoriums und als Jesus in der Johannespassion als biblischer Oper von Johann Sebastian Bach

 

Dietmar Sander Dietmar Sander ist freischaffender Opern-, Lied- und Konzertsänger. Er studierte an den Hochschulen der Udk Berlin und Hochschule für Musik und Theater Hannover. Während seiner Ausbildungszeit waren folgende Lehrer für ihn von besonderer Bedeutung: Prof. Uwe Gronostay, Prof. Jan Phillip Schulze, Prof. Justus Zeyen, Prof. Rudolf Pirnay, Prof. Carol Richardson, Helmut Rilling, Aribert Reimann, Hans-Peter Lehmann und sein derzeitiger Gesangscoach Elena Nentwig Dumitrescu.

Im Opernbereich war der Bariton als Gastsänger in den Rollen des Papageno, Guglielmo, Graf Almaviva, Don Alfonso und Don Giovanni zu hören.Neben Gastengagements am Staatstheater Kassel und Mannheim gastierte er zuletzt 2009 als Escamillo in Bizets „Carmen" und Marullo in Verdis „Rigoletto" am Theater für Niedersachsen Hildesheim. Im Sommer 2010 sang der Bariton im „Oper auf dem Lande“ Festival unter der Regie von Hans-Peter Lehmann den Herrn Fluth mit Auftritten in Hannover, Soltau und Gartow und den Demetrius in Brittens „Sommernachtstraum“ auf Schloß Werdenberg in der Schweiz.

Als vielseitiger Sänger ist der Bariton auch im Oratorium und Lied zu Hause. Mit einer ganzen Fülle an Klangfarben kann er mit seiner warmen, natürlichen, sinnlichen Stimme Lieder und Oratorien großartig interpretieren.

Cd und Videoeinspielungen entstanden unter anderem von Mendelssohns „Elias", Johannes Brahms' „Ein deutsches Requiem", sowie den „Jedermann“ Monologen von Frank Martin und den Barockopern Purcells „Fairy Queen" und Händels „Belsazar" u.a. mit der Hannoverschen Hofkapelle und den Prager Symphonikern.

Seit 2004 erarbeitet er sich mit seinen Pianisten Katharina Happel, Gerhard Vielhaber und Johannes Nies ein umfangreiches Liedrepertoire, u.a. Schuberts „Winterreise“, Schuberts „Die schöne Müllerin“, Schuberts „Schwanengesang“, sowie Schumanns „Dichterliebe“ und „Liederkreis“. Das jüngste Neuprojekt ist ein Hugo Wolf Liederabend mit Texten von Mörike.

mehr Informationen: www.dietmar-sander.de



Johannes Nies Der Pianist Johannes Nies gehört laut der Villa Musica „ohne Zweifel zu den herausragenden jungen Pianisten.“ Geboren 1984 in Herdorf, erhielt er im Alter von zehn Jahren seinen ersten Klavierunterricht. Dank seiner herausragenden Begabung wurde er bereits mit 15 Jahren Privatschüler des legendären Karl-Heinz Kämmerling.

1998 errang Johannes Nies den ersten Platz beim Wettbewerb des deutschen Tonkünstlerverbandes, es folgten zahlreiche erste Preise bei Jugend musiziert, darunter 2002 der erste Preis auf Bundesebene mit Höchstpunktzahl. Danach führten ihn Solo-Auftritte mit Orchester, Kammerkonzerte und solistische Rezitals ins In- und Ausland. So gastierte er bereits bei namhaften Festivals wie dem Schleswig-Holstein Musik Festival oder den Ettlinger Schlossfestspielen.